Pestizideinsatz
Nahezu alle konventionellen Kaffeeplantagen
(also nicht ökologisch oder “fair” bewirtschaftete
Betriebe) werden intensiv mit Pestiziden und Insektiziden
behandelt. Theoretisch dürften die Chemikalien nur
eingesetzt werden, wenn die ArbeiterInnen Atemgeräte
und Schutzkleidung tragen. Dass dies praktisch nie gemacht
wird, hat viele Gründe: Ein Großteil der Landarbeiter
z.B. sind Analphabeten und können die Sicherheitsbestimmungen
nicht lesen. Sie wissen oft nicht einmal, dass sie mit einem
Pestizid umgehen und nicht mit einem Düngemittel; doch
selbst wenn sie sich der Gefahren bewusst sind, bleibt eine
Schutzausrüstung doch unerschwinglich. Entsprechend
viele Landarbeiter (nicht nur auf Kaffeeplantagen!) vergiften
sich jährlich an Pestiziden: Nach Schätzungen
der WHO (World Health Organisation) sind es jährlich
über 2 Millionen Menschen. Kinder sind aufgrund
ihres noch nicht ausgereiften Immunsystems besonders gefährdet.
Dass die eingesetzten Chemikalien das Auftreten
bestimmter Pflanzen und Tiere verhindern, ist zwar beabsichtigt
(dass es nicht nötig ist, zeigt allerdings der ökologische
Kaffeeanbau!). Doch so selektiv, wie die Pestizidkonzerne
es gerne hätten und darstellen, wirken diese Mittel
nicht: Oft bleiben gar keine Pflanzen mehr übrig, die
den Boden zwischen den Kaffeesträuchern bedecken und
verhindern, dass bei Regen die Erde wegschwemmt wird. Weil
Kaffee meist an Hängen angebaut wird, ist die Erosion
ein besonders großes Problem. Normalerweise würden
auch überschirmende Bäume den Boden schützen,
doch diese wurden ebenfalls in den meisten Fällen abgeholzt,
um möglichst kostengünstig zu bewirtschaftende
Monokulturen zu schaffen. Dass diese Bearbeitung nicht gerade
zukunftsgerecht ist, liegt ja auf der Hand. Aber wo kein
fruchtbarer Boden mehr ist, kann ja einfach ein bisschen
mehr Dünger eingesetzt werden...
1999 kam es zu einer Vergiftungswelle in
Brasilien. 30 Bauern hatten sich beim Umgang mit dem
Pestizid Baysiston vergiftet (12
davon tödlich). Es kam bei den Betroffenen zu Muskelkrämpfen,
Lähmungen, bis hin zur tödlichen Atemlähmung
und schweren Verätzungen. Seit
über 20 Jahren ist das hoch toxische Gift in Deutschland
verboten. Dennoch vertreibt Bayer das Pflanzenschutzmittel
immer noch vor allen in Brasilien und bewirbt dies dort
massiv. Verharmlosende Werbekampagnen und vollkommen unzureichende
Sicherheitshinweise machen Baysiston nach
wie vor sehr populär in Brasilien.
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Die
Realität sieht anders aus: Meist wird barfuß und
ohne jegliche Schutzausrüstung gearbeitet.
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